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Virtuelles Lernen braucht stabile Grundlagen

Illustration zeigt den Kontrast zwischen moderner und schlecht ausgestatteter Schule – Symbol für Stadt-Land-Gefälle und fehlende digitale Infrastruktur im Bildungssystem.

Virtuelles Lernen braucht stabile Grundlagen: Ohne digitale Geräte, WLAN und Support wird digitale Bildung durch schwache Infrastruktur weiterhin Stückwerk.

Fehlende technische Ausstattung in Deutschland bremst die Digitalisierung der Bildung weiterhin aus – wie kann die Politik das ändern?

Kurz & knapp:

  • DigitalPakt stockt: Mittel kommen nur schleppend an
  • GroĂźes Stadt-Land-Gefälle bei Infrastruktur
  • Fehlende Geräte und IT-Betreuung bremsen Lernfortschritt

💡 Der DigitalPakt – ein Programm mit Lücken

Mit dem DigitalPakt Schule wollte die Bundesregierung seit 2019 die digitale Ausstattung an Schulen verbessern. Rund sieben Milliarden Euro standen zur Verfügung – für WLAN, Endgeräte und Smartboards. Doch viele Mittel wurden nur langsam abgerufen. Langwierige Antragsverfahren, Bürokratie und fehlende IT-Betreuung bremsen die Umsetzung. Laut Bundesrechnungshof war Anfang 2025 erst etwa zwei Drittel der Mittel verplant. So bleibt das Ziel einer flächendeckenden digitalen Infrastruktur vielfach unerreicht.

📊 Fakten zum DigitalPakt (Stand 2025):

  • 7 Mrd. € Fördervolumen – erst zwei Drittel verplant
  • Nur 65 % der Schulen mit stabilem WLAN
  • Rund 30 % ohne ausreichende IT-Betreuung

🌍 Stadt und Land – digitale Bildung trifft auf schwache Infrastruktur

Während städtische Schulen oft mit Glasfaseranschluss und modernen Geräten arbeiten, kämpfen ländliche Einrichtungen mit Funklöchern und veralteter Technik. Diese Unterschiede bedrohen die Chancengleichheit: Die Ziele von virtuellem Lernen, unter anderem Inklusion zu fördern, verschärft soziale Ungleichheiten. Ohne verlässliche Internetverbindungen bleibt digitaler Unterricht für viele eine leere Versprechung.

🏙️ Stadt-Schulen

  • Glasfaser-Internet & stabile WLAN-Netze
  • Moderne Geräte & Smartboards
  • Teilweise IT-Fachkräfte vorhanden

🌾 Land-Schulen

  • Funklöcher & langsames Internet
  • Veraltete Hardware oder Leihgeräte
  • Fehlende IT-Betreuung

💻 Fehlende Endgeräte und private Belastung

Viele Schulen können ihren Lernenden keine eigenen Geräte bereitstellen. Besonders einkommensschwache Familien leiden darunter, wenn mehrere Kinder sich ein altes Notebook teilen müssen. Damit wird digitale Bildung zum Luxusgut. Expert:innen fordern deshalb, digitale Grundausstattung als Teil der Lernmittelfreiheit zu verstehen – Bildungschancen dürfen nicht vom Einkommen abhängen.

🧩 Die unterschätzte Rolle der IT-Betreuung

Geräte allein reichen nicht. Schulen und Hochschulen benötigen Fachkräfte, die Technik warten, Netzwerke absichern und Lehrkräfte entlasten. Doch vielerorts übernehmen engagierte Lehrkräfte diese Aufgaben zusätzlich – ohne Ausbildung oder Entlastung. Bildungspolitik muss IT-Support als festen Bestandteil der Infrastruktur begreifen, sonst drohen Sicherheitslücken und Überlastung.

⚖️ Chancengleichheit im digitalen Zeitalter

Ungleiche Infrastruktur fĂĽhrt zu ungleichen Chancen. Wer zuhause keinen stabilen Internetzugang hat, kann am digitalen Unterricht kaum teilnehmen. Besonders in der Erwachsenenbildung oder im Fernstudium wird das zur HĂĽrde. Virtuelles Lernen braucht daher klare politische Rahmenbedingungen, die Zugangsgerechtigkeit garantieren.

🚀 Ausblick – Infrastruktur als Bildungsauftrag

Wenn digitales Lernen dauerhaft Teil des Bildungssystems werden soll, müssen Bund und Länder die technische Infrastruktur als Bildungsauftrag begreifen. Das bedeutet: flächendeckender Breitbandausbau, digitale Grundausstattung, verbindliche IT-Betreuung und weniger Bürokratie bei Fördermitteln. Virtuelles Lernen kann nur dann erfolgreich sein, wenn niemand zurückgelassen wird.

❓ Häufige Fragen

Warum kommt der DigitalPakt so langsam voran?

Hauptgründe sind bürokratische Hürden, komplizierte Förderanträge und Personalmangel in den Schulträgern. Viele Einrichtungen fehlt das Know-how, um Fördergelder effizient zu beantragen und umzusetzen.

Wer ist fĂĽr die digitale Ausstattung verantwortlich?

Die Zuständigkeit liegt bei den Ländern und Kommunen. Der Bund kann nur über Förderprogramme unterstützen, nicht aber zentral eingreifen.

Wie kann Chancengleichheit digital gefördert werden?

Durch staatlich finanzierte Endgeräteprogramme, bezahlbares Internet, bessere IT-Betreuung und digitale Kompetenzausbildung – sowohl für Lernende als auch Lehrende.

Autor Kevin Haiber

Kevin Haiber

Gründer von virtuelleslernen.com. Schreibt über digitale Bildung, KI und Lerntrends – mit dem Ziel, Technologie und Didaktik miteinander zu verbinden.

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